STH Basel debattierende Studenten

Vortrag / Seminar Rückblick Gastvorlesung Prof. Goodman-Thau

Gastvorlesung zum jüdisch christlichen Gespräch

Die renommierte jüdische Religionsphilosophin und Rabbinerin Prof. Dr. Dr. Eveline Goodman-Thau hielt vom 15. bis zum 19. Mai 2017 auf Einladung des Fachbereichs «Religions- und Missionswissenschaften» eine Vorlesungsreihe an der STH Basel. Goodman-Thau hatte Professuren bzw. Gastprofessuren unter anderem an den Universitäten Halle/Saale, Wien und Kassel inne. Sie war als Researcher an der Harvard Divinity School tätig und ist heute Direktorin der Hermann Cohen Akademie in Buchen im Odenwald, benannt nach dem Philosophen Hermann Cohen (1842–1918).

Frau Goodman-Thau widmete sich den Brücken zwischen «Athen und Jerusalem», «jüdischem und hebräischem Denken». Die 1934 Geborene, die selbst Überlebende der Shoah ist, reflektierte den Blick auf den ungekündigten Bund Gottes mit seinem Volk: Die Treue Gottes in der Geschichte. Dieser Bund ist untrennbar vom hebräischen Begriff der Wahrheit, ebenso sind Sein und Gott untrennbar voneinander: Gott beglaubigt sich in seiner Wahrheit, er garantiert alles Sein.

Dies macht das Zwiegespräch zwischen Juden und Christen nach allem in der Geschichte Geschehenen und vor den Herausforderungen einer offenen Zukunft so bedeutsam. Die Vorlesungsreihe leistete dazu einen eigenständigen und wichtigen Beitrag, der den Hörern neu die Augen öffnen konnte. Die Bedeutung der Ethik für das Leben vor Gott wurde dabei besonders eindrücklich. In einem bekannten jüdischen Morgengebet wird Gott für sein Treue gedankt, die jeden Morgen neu ist.

Frau Prof. Goodman-Thau verband den Blick auf die jüdischen Philosophen des 20. Jahrhunderts, vor allem auf Emmanuel Lévinas (1907–1995), den Denker des Anderen und der Begegnung von Mensch und Mensch, mit dem Zeugnis der Heiligen Schrift. Dabei machte sie auf vielfache Bezüge zwischen Altem und Neuem Testament aufmerksam.

Lévinas‘ berühmt gewordenen Buchtitel «Wenn Gott ins Denken einfällt» variierte sie in: «Wenn das Jüdische ins christliche Denken einfällt». Eine Magna Charta, deren das von Unruhen und neuen Nationalismen durchzogene Europa besonders dringend bedarf, kann – so Goodman-Thaus Fazit – nur aus dem jüdischen und christlichen Gespräch geschehen. Dabei gehe es auch darum, dass Glauben und Denken nicht voneinander getrennt werden, sondern in ihrem Zusammenhang sichtbar bleiben.

Nicht abstrakte Konstruktionen, sondern das Hören auf das Wort, eine Lehre, die aus dem Lesen hervorgeht und in der grossen Zwiesprache der rabbinischen Tradition steht, ist jüdisches Erbe. Mit Lévinas betonte Goodman-Thau die Nicht-Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen. Eine universale Moral setze beim Einzelnen ein. «Wer einen Menschen rettet, rettet die Welt», lautet ein bekannter Talmud-Satz.

Das jüdisch-christliche Gespräch kann auf verschiedenen Ebenen wirksam werden: Wissenschaftlich ebenso wie geistlich. Goodman-Thau betonte, dass sie in ihrer langjährigen Tätigkeit niemals christliche Hörer zum Judentum bekehrt habe. Sie wolle sie lehren, bessere Christen zu werden, die auf Gottes universalen Bund mit dem Menschen hören und danach leben können.