Am 21. Mai 2026 hielt Prof. Dr. Harald Seubert zum Anlass seiner Emeritierung eine Abschiedsvorlesung an der STH Basel zum Thema «Denken und Glaube: Docta ignorantia oder Die Philosophie des Esels.»


Von links nach rechts: Prof. Dr. Christian Stettler, Prof. Dr. Johannes Schwanke, Prof. Dr. Sven Grosse, Prof. Dr. Jacob Thiessen, Prof. Dr. Harald Seubert, Prof. Dr. Benjamin Kilchör, Prof. Dr. Stefan Schweyer
Laudatio für Harald Seubert
Harald Seubert ist seit 2012 Professor an der STH Basel gewesen, und mit der Verleihung dieser Professur wurden die Disziplinen Philosophie, Apologetik, Religions- und Missionswissenschaft sowie „Kirchen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen“ zu einem Fachbereich „Philosophie / Religions- und Missionswissenschaft“ (PRM) unter seiner Leitung zusammengestellt. Harald Seubert hat in der Gestaltung dieses Fachbereichs während der rund zwölf Jahre seiner Tätigkeit Enormes geleistet. Diese Leistung ist sein Vermächtnis an die STH Basel und damit eine Verpflichtung für die Zukunft.
Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass an einer biblisch-theologischen Hochschule, wie es die STH Basel ist, das Fach Philosophie unterrichtet wird. Denn Theologie ist erst dann eine Wissenschaft, wenn sie so gestaltet wird, dass sie in einen Austausch mit der Philosophie eintreten kann. Das heisst keineswegs, dass die Theologie auf die Philosophie angewiesen sei, um überhaupt erst Theologie sein zu können. Da hat sie ihr eigenes Recht, und das verdankt sie der biblischen Offenbarung. Von dort her hat sie auch den Anspruch, Wissenschaft zu sein: fides quaerens intellectum: der Glaube sucht – von sich aus – die Einsicht, das Verstehen. Wenn er das aber tut, tritt er unweigerlich in ein Gespräch mit der Philosophie ein. Dieses Gespräch hat Harald Seubert von seiner Seite als Philosoph gesucht, und er hat ein solches Gespräch auf christlicher Grundlage bejaht. Darin besteht sein erstes Vermächtnis für diese Hochschule. Wir müssen hier Philosophie auf möglichst hohem Niveau treiben, das gehört zu einer theologischen Hochschule mit dem Anspruch, eine universitäre Institution zu sein.
Das zweite Vermächtnis ist mit dem ersten eng verbunden: die Gestaltung von Apologetik, Religions- und Missionswissenschaft und der Disziplin „Kirchen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen“.
Harald Seubert pflegte bei den Schnupperstudientagen zu sagen: Mein Fachbereich ist derjenige, in dem die Konfrontation mit allem stattfindet, was das Christentum anficht. Hier braucht man einen breiten Buckel!
Das, was all diese Disziplinen – voran die Philosophie – umfasst, ist nämlich die Bereitschaft, Ver-Antwortung zu geben jedermann, er einen Grund fordert für die Hoffnung, die in euch ist – ἕτομοι πρὸς ἀπολογίαν – wie der Apostel Petrus in seinem ersten Brief schreibt (3,15): bereit zur Ver-Antwortung, zur Apologie.
Offene, das Gegenüber fair würdigende Auseinandersetzung mit anderen Religionen, denen gegenüber die christliche Wahrheit dargelegt werden muss, damit hier gute Missionare ausgebildet werden, offene, das Gegenüber fair würdigende Auseinandersetzung mit den Strömungen der Zeit, die das Christentum ignorieren oder bekämpfen, damit hier Christen ausgebildet werden, die sich nicht verführen, beeinflussen und fortreißen lassen von diesen Strömungen.
Dieses doppelte Vermächtnis verpflichtet uns an der Hochschule für die Zukunft, und dafür sind wir ihm dankbar.
– Prof. Dr. Sven Grosse
Eindrücke der Veranstaltung































