Am 26. Mai 2026 verteidigte Jonin Köchli erfolgreich seine Dissertation, die er unter dem Titel «Eine verborgene Tora. Die Anspielungen im Richterepilog auf die Tora» an der STH Basel eingereicht hat.

Für das ganze Richterbuch ist auffällig, dass es aus Leserperspektive oft nicht so einfach ist, herauszufinden, ob die handelnden Personen und ihre Handlungen vom Autor positiv oder negativ beurteilt werden. Dies gilt besonders auch für den Richterepilog (Richter 17–21). Die These der Studie ist, dass der Text des Richterbuches sehr wohl einen Beurteilungsmassstab für die Geschichten mitliefert, aber nur für die, die Ohren haben, zu hören. Die Tora ist im Richterbuch vollständig abwesend, sie wurde geradezu vergessen. Jeder tut, was in seinen Augen recht ist. Doch am Beispiel des Richterepilogs zeigt Jonin Köchli, dass der Schein trügt: Der Text ist voller Anspielungen auf die Tora, die aber nur von denjenigen bemerkt werden, die die Tora nicht vergessen haben. Die methodische Herausforderung ist es, Anspielungen zu erkennen und zu definieren, wann es sich wirklich um gezielte Anspielungen handelt. Dafür hat Jonin Köchli, aufbauend auf bereits existierenden Arbeiten, eine methodische Vorgehensweise entwickelt, mit der er 50 mögliche Anspielungen des Richterepilogs auf die Tora untersucht hat. Köchlis Fazit: «Die Tora kommt im Richterepilog nirgends vor. Sie wird nicht erwähnt und sie wird auch nicht zitiert. Die Tora im Richterepilog ist eine verborgene bzw. vergessene Tora. Damit zeichnet der Autor das Bild einer Gesellschaft in der Zerrissenheit. Einerseits sollten sie die Tora kennen, doch sie haben sie vergessen. Deshalb ist sie verborgen. Sie kommt nicht offiziell vor, weil die Charaktere der Geschichte die Tora vergessen haben, aber sie kommt inoffiziell und verborgen durch die Anspielungen vor, weil sie als eigentliches Idealbild in der Geschichte gilt. Der Autor zeichnet somit seine Charaktere vor dem Hintergrund der Tora – die Charaktere selbst entdecken diesen Hintergrund nicht. Für den Leser werden die Charaktere des Epilogs vor dem Hintergrund der Tora jedoch umso klarer.»
Die erfolgreiche Verteidigung der Dissertation wurde im Anschluss mit einem reichhaltigen Apéro gefeiert. Erstgutachter ist Prof. Dr. Benjamin Kilchör (STH Basel), Zweitgutachter Prof. Dr. Koert van Bekkum (TU Utrecht), der für die Verteidigung aus den Niederlanden angereist ist.
Die STH Basel gratuliert Dr. Jonin Köchli ganz herzlich!
Eindrücke der Veranstaltung



















































