2020.02.11. Israel Tag 9 1

Studienreise Baden im Toten Meer – Schneeregen in Betlehem

So gegensätzlich kann Israel im Februar sein. Es ist in fast jeder Hinsicht ein Land der Gegensätze: Hier die modernen Bürotürme Tel Avivs – dort die Jahrtausende alten Mauern aus vorbiblischer Zeit. Arabische Dörfer direkt neben israelischen Siedlungen. Trockene Wüste im Süden, fruchtbares Ackerland im Norden. Der tiefste Punkt der Erdoberfläche (Totes Meer) und ein schneebedeckter Gipfel (Hermon). In diesem kleinen Land (das Staatsgebiet entspricht etwa der Hälfte der Schweiz) kommen die Unterschiede aber auch zusammen. Der Busfahrer unserer rund 50-köpfigen Reisegruppe war ein muslimischer arabischstämmiger und unser Reiseleiter ein jüdischer Israeli. Die beiden harmonierten hervorragend miteinander. Auch auf der Staatsebene ist es doch erstaunlich, wie viel Normalität und Wohlstand trotz der Spannungen in diesem Land möglich ist. Die Realität im Land – vor allem das größtenteils friedliche Zusammenleben – korrigierte meinen medial gewonnen Eindruck nachdrücklich und stellt so manche mitteleuropäisch-politische Meinung in Frage.

Für uns als Reisegruppe ergab sich in den 11 Tagen ebenfalls ein buntes Gemisch aus unterschiedlichsten Erfahrungen und Entdeckungen aus allen Epochen – oft sogar am selben Ort. Wir spürten den kanaanitischen Städten zur Zeit der Erzväter nach, konnten in einem Zeltlager etwas der beduinischen Kultur nachspüren, in der auch Isaak und Jakob aufwuchsen. Die Landnahme unter Josua wurde uns in Sichem und Hazor greifbar. Unzählige Ausgrabungen und Monumente in diesem Land zeugen von den Geschichten der Bibel, die unsere Reiseleiter stets kompetent archäologisch und theologisch aufzuarbeiten wussten.

Jerusalem ist wohl der Ort, an dem die meisten Eindrücke auf uns einprasselten. Von König David über Hiskia gelangten wir – kaum um die nächste Ecke gegangen – direkt in die Zeit Jesu und der ersten Gemeinde. Jerusalem strahlt mit seiner Vielschichtigkeit eine enorme Anziehungskraft aus – wochenlang könnte man hier auf Erkundung gehen und immer Neues entdecken. Aber auch die einsamen Orte, an denen es oft keine alten Mauern gibt, suchten wir auf: Die Taufstelle Jesu am Jordan, die (ehemals) einsamen Winkel am See Genezareth oder auch Paneas an der Jordanquelle – der Ort des Bekenntnisses des Petrus. Es ist kein großes Gebiet, in dem Jesus wirkte, und doch wirkt dieser Ort bis heute auf die ganze Welt.

Bereichernd war die Erkenntnis, dass viele der Geschichten der Bibel von der Archäologie eindrücklich bis in Details hinein unterstrichen werden. Ebenso das Gefühl, die Zusammenhänge von Wegen und Topografie im Land zu begreifen. So manches Detail wurde lebendig. Aber auch die theologische Relevanz der Orte wird uns im Gedächtnis bleiben. Gottes Geschichte mit seinem Volk und seine Wirksamkeit auf dieser Erde ist an diesen Flecken Erde gebunden, wie an keinen anderen.

Erläuterungen zum modernen Staatswesen Israels, zum täglichen Leben oder der Funktionsweise eines Kibbuz schlossen fremde Lebenswelten für uns auf. Assaf Zeevi verstand es aber auch hervorragend, die Bedeutung des Staates Israel für die Juden nach dem Schrecken der Schoah unter den Nationalsozialisten aufzuzeigen und uns nahezubringen. Mit vielen Eindrücken und Erkenntnissen im Gepäck verließen wir Israel nach dieser intensiven Zeit wieder mit einem komfortablen Flug der israelischen El Al.

Jens Binfet